Доклад Марии Бёмер в Бундестаге: "Die jungen Migranten holen auf."

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В Правительстве Германии 27 июня был представлен доклад министра по интеграции Марии Бёмер (Maria Böhmer, Beauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration).

В 700-страничном документе сообщается о текущем состоянии дел в этой сфере и, как утверждает г-жа Бёмер, в последний год был достигнут существенный прогресс в сфере языка, образования, обучения и рынка труда. "Молодые иммигранты догоняют", - уверена государственный министр. Наблюдается общее повышение образовательного уровня иммигрантов и, в частности, в докладе отмечено, что учащиеся «русского» происхождения добиваются наибольшего успеха среди всех других детей с иммигрантскими корнями.

В своем обращении к кабинету министров Мария Бёмер сказала:

"Noch nie hat sich bei der Integration so viel bewegt wie in den vergangenen beiden Jahren. Die Chancen der Migranten auf gleiche Teilhabe haben sich durch wichtige gesetzliche Änderungen wesentlich verbessert. Hierfür stehen beispielsweise das Gesetz zur verbesserten Anerkennung ausländischer Abschlüsse oder das eigenständige Bleiberecht für gut integrierte Jugendliche und Heranwachsende. In den Bereichen Sprache, Bildung, Ausbildung und Arbeitsmarkt sind wir große Schritte vorangekommen.

Zugleich wird deutlich: Um die Herausforderungen der Zukunft meistern zu können, haben wir einen Paradigmenwechsel von der nachholenden zur vorausschauenden Integrationspolitik eingeleitet. Wir öffnen neben der Reparaturwerkstatt jetzt die Zukunftswerkstatt“, betonte Staatsministerin Maria Böhmer bei der heutigen Vorstellung des 9. Berichts über die Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland. Zuvor hatte sie den Bericht dem Bundeskabinett vorgelegt.

Der Bericht umfasst den Zeitraum von Frühjahr 2010 bis Frühjahr 2012. Während die Zahl der Gesamtbevölkerung zurückgeht, steigt der Anteil der Migranten: 2010 lebten 15,7 Millionen in Deutschland. Mehr als die Hälfte der Migranten besitzt die deutsche Staatsbürgerschaft. „Entscheidende Voraussetzung für eine gelingende Integration sind gute Sprachkenntnisse. Umso wichtiger ist die Sprachförderung von Anfang an.

Es ist ein großer Fortschritt, dass gezielte Sprachförderung im Kindergarten nahezu flächendeckend in allen Bundesländern stattfindet. Wegen der zahlreichen unterschiedlichen Verfahren haben Bund und Länder beschlossen, gemeinsam die Wirksamkeit der Sprachfördermaßnahmen zu überprüfen. Das begrüße ich ausdrücklich. Der Bund setzt bei der Sprachförderung von Anfang an ein wichtiges Zeichen: Das Programm „Offensive Frühe Chancen“ des Bundesfamilienministeriums stellt von 2011 bis 2014 insgesamt 400 Millionen Euro für 4000 Schwerpunkt-Kitas zur Verfügung“, erklärte Böhmer.

Die Betreuungsquoten von Kindern mit Migrationshintergrund zwischen drei und unter sechs Jahren haben sich positiv entwickelt. Die Quote stieg von 2008 bis 2010 von 81,8% auf 85,7%. Die Daten des Lageberichts zur Bildung zeigen, dass die Migranten aufholen. So ist der Anteil der ausländischen Schüler, die die Schu-le mit einer (Fach-) Hochschulreife verlassen, von 2005 bis 2010 um insgesamt 36% gestiegen. Bei den deutschen Schülern betrug der Anstieg 26%. Allerdings ist der Abstand noch beachtlich: Von den deutschen Schulentlassenen erreicht etwa jeder dritte (36%) die (Fach-) Hochschulreife, von ausländischen Schülern nicht einmal jeder Sechste (15%).

Verbesserte Ausbildungsbeteiligung von ausländischen Jugendlichen

Die Ausbildungsbeteiligungsquote ausländischer Jugendlicher hat sich von 31,4% im Jahr 2009 auf 33,5% im Jahr 2010 leicht erhöht. Bei den deutschen Jugendlichen betrug sie 65,4%.

2011 waren durchschnittlich über 200.000 Ausländer weniger arbeitslos gemeldet als im Jahr 2005. Die Arbeitslosenquote sank von 2010 zu 2011 von 18,2% auf 16,9%. Allerdings liegt die Quote der arbeitslosen Ausländer nach wie vor doppelt so hoch wie die der Deutschen (7,2%).

„Ermutigend ist, dass Arbeitgeber verstärkt auf die Potenziale von Migranten set-zen. Das zeigt die hohe Zahl von über 1250 Unterzeichnern der „Charta der Vielfalt“ mit über 6,5 Millionen Beschäftigten. Die Charta richtet sich auch an den öffentlichen Dienst. Wir brauchen mehr Migranten als Erzieherinnen und Lehrkräfte, bei Polizei und Feuerwehr und in der Verwaltung. Sie sind wichtige Brückenbauer!“, so Böhmer.

Erfreulich sind auch Entwicklungen bei der gesellschaftlichen Integration, beispielsweise beim bürgerschaftlichen Engagement. Das Interesse von jungen Migranten, sich ehrenamtlich zu engagieren, ist zum Teil höher als bei Gleichaltrigen ohne Migrationshintergrund. Insbesondere die in Deutschland geborene 2. Generation engagiert sich: Von ihnen waren 2009 insgesamt 33,5% Mitglied in einem gemeinnützigen Verein oder einen gemeinnützigen Organisation. Aus der gesamten Bevölkerung waren es 37,7%.

„Die Botschaft lautet: Immer mehr Migranten sagen voll und ganz Ja zu unserem Land. Deshalb werbe ich auch offensiv für Einbürgerungen. Es ist höchst erfreulich, dass sich die Zahl der Einbürgerungen leicht erhöht hat (2009-2010: von 96.122 auf 101.570). Wer die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, hat das Recht, wählen zu können und selbst gewählt zu werden und damit die Geschicke unseres Landes aktiv mitgestalten zu können. Wer ein kommunales Wahlrecht fordert, bleibt dagegen auf halber Strecke stehen“, betonte Böhmer. Mit Nachdruck setzt sich die Staatsministerin dafür ein, die Einbürgerungsverfahren zu vereinfachen und zu beschleunigen. „Ich halte es für dringend notwendig, dass die Behörden die Willkommenskultur auch in der Praxis umsetzen. Bei den Einbürgerungsverfahren müssen Integrationsleistungen stärker anerkannt werden“, so die Integrationsbeauftragte.

Integrationsleistungen anerkennen

„Integrationsleistungen anzuerkennen ist auch der rote Faden beim eigenständigen Bleiberecht für gut integrierte Jugendliche und Heranwachsende, das seit einem Jahr gültig ist. Viele junge Menschen haben nun unabhängig von ihren Eltern eine eigene dauerhafte Aufenthaltsperspektive in Deutschland ohne die ständige Angst, abgeschoben zu werden. Jetzt gilt es, grundsätzlich eine stichtagsunabhängige gesetzliche Regelung zu schaffen. Ich unterstütze die Forderung der Integrationsministerkonferenz: Geduldete sollen bei nachhaltiger Integration ein Aufenthaltsrecht erhalten“, so Böhmer.

Maxime der Integrationspolitik ist es, Integration verbindlicher zu gestalten. Dafür stehen die Bleiberechtsregelungen, das im April in Kraft getretene Gesetz zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse, der Nationale Aktionsplan Integration und die individuellen Integrationsvereinbarungen, die zur Zeit in 18 Kommunen und Landkreisen erprobt werden.
Paradigmenwechsel notwendig

„Zusätzlich ist ein Paradigmenwechsel zur vorausschauenden Integrationspolitik notwendig: Zuwanderung und Integration müssen stets zusammen gesehen werden. Die Fehler der Vergangenheit, als die Zuwanderer sich weitgehend selbst überlassen wurden, dürfen nicht wiederholt werden. Vorbereitende Integration muss schon im Herkunftsland beginnen, insbesondere mit dem Erwerb der deut-schen Sprache und der Wahrnehmung von Integrationsangeboten. Anschließend müssen die Zuwanderer so schnell wie möglich nach ihrer Ankunft in Deutschland Fuß fassen. Die Integrationsvereinbarungen sind dabei eine wirksame Hilfe. Sie stärken die Vernetzung der verschiedenen Akteure vor Ort. Die intensivere Vernetzung ermöglicht beispielsweise ein gezieltes Übergangsmanagement vom Sprachnachweis im Herkunftsland zur schnelleren Einmündung in den Integrationskurs. Ein wichtiges Anliegen ist mir, dass auch EU-Bürger einen gesetzlichen Anspruch auf die Teilnahme an einem Integrationskurs erhalten. Integration ist auch bei Menschen aus EU-Ländern kein Selbstläufer!“, betonte die Staatsministerin.

„Qualifizierte Zuwanderung sichert die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes. Um Deutschland für Fachkräfte attraktiv zu machen, brauchen wir eine überzeugende Willkommens- und Anerkennungskultur. Erforderlich ist ein gesellschaftlicher Wandel bei der Haltung gegenüber Migranten: von der Abwehrhaltung hin zum Willkommen und zur Wertschätzung. Alle, die auf Dauer in unserem Land leben, sollen hier ihre Heimat finden und am Leben in all seinen Facetten teilhaben. Menschen der 3. oder 4. Generation sollten sich nicht mehr als Migranten fühlen müssen oder als solche angesehen werden. Sie gehören schon längst dazu! Jeder Einzelne kann zum Aufbau eines Wir-Gefühls einen Beitrag leisten. Deutschland braucht dieses Wir-Gefühl, um die Herausforderungen der Zukunft bewältigen zu können."

Bundesregierung

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от издания Welt Online:

Migranten-Kinder starten in den Schulen durch (von Dorothea Siem)

Die Zahl der Schulabbrecher unter Kindern von Migranten sinkt, ihre Schulabschlüsse werden immer qualifizierter. Bald werden sie so gut sein wie die Kinder deutscher Eltern – oder besser.

An seine Einschulung in Berlin erinnert sich Enver Büyükarslan mit Schaudern. Ein halbes Jahr zuvor war der damals Sechsjährige aus Anatolien nach Deutschland gekommen. Er sprach fließend Kurdisch, etwas Türkisch – und kein Wort Deutsch.

Der kleine Junge hatte als einziges Kind keine Schultüte dabei und blickte sehnsüchtig auf all die Süßigkeiten, die die anderen Schulanfänger geschenkt bekamen. "Ich wurde damals ins kalte Wasser geschmissen", sagt Enver Büyükarslan im Rückblick. Die Schulkameraden mieden ihn, weil sie sich nicht mit ihm unterhalten konnten. Er wurde verhaltensauffällig, flog von der Schule.

Er hätte wohl als Schulversager geendet, wenn er nicht in der 5. Klasse beschlossen hätte, "sich am Riemen zu reißen". Ein richtiger Streber sei er geworden. Obwohl er schon zu Schulzeiten jobbte, schaffte er einen guten Realschulabschluss.

Auch die anschließende Lehre bei der Deutschen Bahn zum Elektrotechniker verlief reibungslos. Doch sein Ehrgeiz trieb ihn weiter: als Quereinsteiger in die Bankwirtschaft, zur Automobilbranche und schließlich ins Immobiliengeschäft.

Schlüssel zum Aufstieg ist gute Bildung

Heute leitet Enver Büyükarslan sein eigenes Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern – und ist längst in der deutschen Mittelschicht angekommen. Seine beiden Kinder, Can und Yezda, sollen es leichter haben als er. "Eine gute Bildung hat für uns deshalb oberste Priorität", sagt der Vater.

Der neunjährige Can besucht eine private Ganztagsschule. Als der Junge Probleme in Mathematik hatte, ließ die Mutter einen Nachhilfelehrer kommen. Die kleine Schwester geht schon seit dem zweiten Lebensjahr in eine Kindertagesstätte. Und die Familiensprache ist ganz selbstverständlich Deutsch – ein Großteil des Freundeskreises ebenfalls.

Der Erfolg der Büyükarslans zeigt, dass Integration gelingt, wenn die Leistungsbereitschaft groß ist. Die Zuwanderer kommen nach Deutschland, damit es ihnen und ihren Kindern einmal besser geht. Der Schlüssel zum sozialen Aufstieg ist eine gute Bildung.

Und hier zeichnet sich in den vergangenen Jahren ein sehr positiver Trend ab, wie der 9. Integrationsbericht der Bundesregierung zeigt, der am kommenden Mittwoch vom Kabinett beschlossen wird und der "Welt Online" vorliegt.

Zuwanderer holen auf

Seit 2005 habe es "maßgebliche Fortschritte" gegeben, lobt die Integrationsbeauftragte der Regierung, Maria Böhmer, im Vorwort des mehr als 700 Seiten starken Berichts. So besuchten immer mehr Kinder mit Migrationshintergrund eine Kindertagesstätte. Die Zahl der Schulabbrecher unter den Migrantenkindern sinke, während die Zahl der Zuwandererkinder mit höheren Bildungsabschlüssen steige, so die Staatsministerin im Kanzleramt.

Die Statistiken zeigen, dass der Abstand zur deutschen Bevölkerung zwar nach wie vor beträchtlich ist. Doch die Zuwanderer holen auf. Nach dem Aufstieg der Mädchen in Schulen und Universitäten findet die nächste Bildungsrevolution zurzeit, fast unbemerkt, bei den Migranten statt.

Für die Zukunft Deutschlands ist die erfolgreiche Integration der Zuwanderer von entscheidender Bedeutung. Denn jedes dritte Kind unter fünf Jahren hat einen Migrationshintergrund. Sie in Zukunft erfolgreicher als in der Vergangenheit in den Arbeitsmarkt zu integrieren ist angesichts des wachsenden Fachkräftemangels unabdingbar, wenn Deutschland weiterhin als Wirtschaftsnation in der ersten Liga spielen will.

Nicht alle Kinder profitieren vom Kita-Besuch

Da mit der frühkindlichen Bildung die ersten Weichen für die spätere Schulkarriere gestellt werden, wertete es der Integrationsbericht als großen Erfolg, dass immer mehr Kleinkinder aus Zuwandererfamilien eine Krippe besuchen. Zwischen 2008 und 2011 nahm hier der Anteil um 53 Prozent und damit deutlich stärker zu als bei deutschen Kinder (39 Prozent).

Mittlerweile wird jedes siebte Zuwandererkind unter drei Jahren in einer Kita betreut. In einigen Bundesländern wie Hamburg oder Rheinland-Pfalz besucht sogar jedes fünfte Kleinkind mit Migrationshintergrund eine Krippe.

Fast aufgeschlossen zu den deutschen Kindern haben die Zuwanderer, wenn es um die Kindergartenplätze für die Drei- bis Sechsjährigen geht: Hier liegt die Betreuungsquote inzwischen bei 86 Prozent.

Doch nicht alle Kinder profitieren gleichermaßen vom Kita-Besuch, stellt der Integrationsbericht fest. Entscheidend für das spätere Vorankommen sei der frühe Erwerb der deutschen Sprache. Wenn Kinder, die zu Hause mit einer anderen Muttersprache aufwachsen, in sozialen Brennpunkten eine Kita besuchen, ist jedoch die Chance, dort gute Deutschkenntnisse zu erwerben, gering. So zeigen Umfragen, dass in Berlin die meisten Kinder, die zu Hause nicht Deutsch sprechen, eine Kita besuchen, in der ein Großteil der anderen Kinder ebenfalls nicht Deutsch spricht.

Deutlicher Verbesserungsbedarf an Grundschulen

Als nicht hilfreich rügt der Bericht zudem das Kuddelmuddel an vorschulischer Sprachförderung in den einzelnen Bundesländern. Auch die Sprachförderung in den Schulen ist bundesweit nicht einheitlich.

Dass hier deutlicher Verbesserungsbedarf besteht, haben die zahlreichen internationalen Grundschul-Lese-Untersuchungen gezeigt. So haben 40 Prozent der Jugendlichen mit Migrationshintergrund im Alter von 15 Jahren, aber nur 14 Prozent der Kinder ohne ausländische Wurzeln Schwierigkeiten im Lesen deutscher Texte.

Dass ein schlechteres Abschneiden jungen Migranten kein Naturgesetz ist, zeigt das Beispiel Kanadas. Das klassische Einwanderungsland hat ein engmaschiges Netz an Sprachförderung, das Familien direkt nach ihrer Ankunft im Land intensiv trainiert. Das kostet viel Geld. Doch die Investition lohnt sich: In Kanada schneiden die Migranten im Lesetests sogar besser ab als die einheimischen Kinder.

Doch auch in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. "Schrittweise nähern sich die schulischen Leistungen von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund jenen ohne Migrationshintergrund an", heißt es in dem Integrationsbericht.

Russische Kinder sind am erfolgreichsten

Auch würden mehr Ausländer die Schule mit Hochschulreife verlassen. Dabei gibt es erhebliche ethnische Unterschiede. Am erfolgreichsten schneiden russische Kinder ab, die mit den einheimischen Schülern schon gleichgezogen haben. Bei italienischen und türkischen Schülern ist der Abstand dagegen größer.

Allerdings liegt dies laut Studie nicht an den ausländischen Wurzeln, sondern an der sozialen Herkunft. Seltener als in anderen Ländern gelangt hierzulande ein Arbeiterkind bis zum Abitur. Da ausländische Kinder im Durchschnitt in sozial schwächeren Familien leben als der deutsche Nachwuchs, spiegelt sich dies in den Bildungskarrieren wider.

Vergleicht man jedoch die Kinder, die aus ähnlichen Einkommens- und Bildungsmilieus stammen, so kommen die Migranten sogar weiter. Der Grund: Ihre Eltern streben bei gleichen Noten einen höheren Bildungsabschluss für ihre Sprösslinge an als deutsche Eltern.

"Höhere Bildungsaspiration" unter Migranten

Dies gilt besonders dann, wenn die Kinder schon in Deutschland geboren wurden. Diese Jugendlichen der zweiten Generation besuchen bei gleichen sozialen Lebensumständen sogar deutlich häufiger die gymnasiale Oberstufe als ihre Altersgenossen ohne Migrationshintergrund. Die Experten attestieren den Ausländern eine "höhere Bildungsaspiration". Dieser Wunsch, dass es den Kindern einmal besser gehen soll, ist die beste Voraussetzung für einen sozialen Aufstieg.

Auch wenn der Abstand schmilzt, so ist doch der Anteil der Hauptschüler und der Schulabbrecher unter den Migranten weiterhin deutlich höher als unter den Deutschen. Eine wenig erfolgreiche Schullaufbahn muss jedoch nicht zwangsläufig in die Arbeitslosigkeit führen. Die 24-jährige Maizuhn Abu Hatab hat arabische Wurzeln. Sie ärgert sich heute, dass sie sich in der Schule nicht mehr angestrengt hat: "Obwohl ich eigentlich gut in der Schule war, hatte ich am Ende einfach keine Lust mehr."

Nur mit Hauptschulabschluss bekam sie zunächst keine Lehrstelle. Das Jobcenter verordnete ihr schließlich eine berufsvorbereitende Maßnahme, um sie fit für eine Ausbildung zur Hotelkauffrau zu machen. "Ich merkte schnell, dass mir dieser Job liegt – obwohl mein Traumberuf früher eigentlich Polizistin war", sagt die Berlinerin.

Die dreijährige Ausbildung mit Auslandspraktikum in der Türkei sei eine schöne, aber auch harte Zeit gewesen. "Ich bin zufrieden, dass ich das geschafft habe", sagt Maizuhn Abu Hatab. Und sie ist stolz darauf, ungewöhnlich rasch eine höhere Position als Front Office Superviser erklommen zu haben.

"Interkultureller Hintergrund ist eine Bereicherung"

Dass solche Beispiele Schule machen, ist das Ziel des Berliner Bildungswerks in Kreuzberg (BWK). Ein Schwerpunkt der Einrichtung sind zweisprachige Ausbildungen. Der Geschäftsführer Nihat Sorgec moniert, dass Migranten oftmals bei den Bewerbungen für einen Ausbildungsplatz aufgrund ihrer Andersartigkeit schlechtere Karten hätten. "Die Wirtschaft muss verstehen, dass der interkulturelle Hintergrund keine Gefahr darstellt, sondern vielmehr eine Bereicherung ist", sagt Sorgec. Deutschland sei schließlich eine Exportnation. Mehrsprachigkeit sei da von Vorteil.

Der Integrationsbericht zeigt, dass viele Migranten nach dem Schulabgang der Ehrgeiz packt. Kinder von Zuwanderern nutzten in den vergangenen Jahren zunehmend die Möglichkeit, ihr Abitur an beruflichen Schulen nachzuholen. Der Anteil der ausländischen Schüler, die hier die Fachholschul- oder Hochschulreife erwarben, stieg seit 2005 um acht Prozent auf fast 40 Prozent.

Für Hakim El Ghazali war das Studium dagegen schon früh das Ziel. "Ich hatte Vorbilder in der Nachbarschaft und im Bekanntenkreis, die haben etwas aus ihrem Leben gemacht. Das wollte ich auch", sagt der Sohn eines marokkanischen Gastarbeiters. Dass er so glatt durch die Schule gekommen sei und das Abitur gemacht habe, sei angesichts seiner Herkunft "keine Selbstverständlichkeit".

Doch seine Eltern, die selbst nur eine geringe Schulbildung genossen haben, hätten ihn stets nach Kräften unterstützt und keine Kosten, etwa für Nachhilfe, gescheut. Auch seine drei Geschwister haben eine gute Ausbildung. Doch er ist der Erste, der studiert. Mittlerweile hat Hakim El Ghazali sein Bachelor in Geschichte und Politik in der Tasche und strebt den Master an.

Deutschland schneidet im Vergleich hervorragend ab

Mit einem hohen Bildungsabschluss stehen die Chancen auf einen problemlosen Berufseinstieg gut. Denn bei der Integration von Zuwanderern schneidet Deutschland im internationalen Vergleich hervorragend ab, wie der "Immigrant Citizen Survey" bilanziert.

Danach finden ausländische Jobsuchende hierzulande sehr viel leichter einen Job, der zu ihrer Qualifizierung passt, als in anderen westeuropäischen Staaten.

Bildung und Arbeit sind die besten Voraussetzungen für eine gelungene Integration. Doch für Enver Büyükarslan gehört noch mehr dazu: "Wir lieben das Weihnachtsfest, obwohl wir Muslime sind. Die Kinder fühlen sich in ihrem kosmopolitischen Umfeld wohl, Klassenfahrten und Sportverein sind selbstverständlich – genauso wie bei anderen deutschen Kindern auch."

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Юрий Еременко и Информационная служба "Русское поле"